A v a l o n p f a d
 A v a l o n p f a d                                          
Tb: 316 Seiten, Verlag: TWENTYSIX, ISBN-13: 978-3740753078

Der Rennfahrer

Ryan Black Hawk, Ex-Soldat und Ex-Kopfgeldjäger, eigenwillig, intelligent und ebenso charakterstark, lebt in zwei verschiedenen Welten. Murphy's Law scheint oft an seinen Fersen zu kleben. Durch seine Fähigkeiten und seine zielstrebige Art, arbeitet er sich jedoch immer wieder nach oben.
Geld verdienen kann er nur in der Welt der Weißen. Es ist die einzige Chance den Traum von der Pferderanch, die seiner Familie im Pine Ridge Reservat gehört, die aber nicht mehr genug einbringt, zu verwirklichen. Er will sie zu einer Touristenranch umbauen, so dass er zurückkehren und die Familie davon profitieren kann. Dafür braucht er Geld, viel Geld.
Als seine junge Frau, mit der er erst seit kurzem verheiratet ist, im Kugelhagel einer Kopfgeldjagd stirbt, ist er wie betäubt. Er kann es kaum verwinden. Trotzdem gelingt es seinem Freund Baxter ihn zu überreden, Autorennen zu fahren. Baxter arbeitet als Mechaniker in eben jenem Rennstall. Dem Gewinner des Rennens winkt ein sattes Preisgeld.
Ryan nutzt seine Chance. Er lässt sich von Haywood, dem Veranstalter, als Fahrer eines roten Mustang anheuern. Er weiß, Autorennen zu fahren liegt ihm. Ausreichend Erfahrungen hat er bereits bei illegalen Autorennen im Reservat gemacht.
Als Ryan immer wieder als Sieger gekürt wird, weckt das bei den Kollegen Neid und Missgunst und bei seinem Arbeitgeber Unmut, denn die Wetten gestalten sich inzwischen sehr unvorteilhaft für ihn. Er fordert Ryan auf, vorsätzlich zu verlieren. Ryan weigert sich. Haywood beauftragt einen Mitarbeiter damit, ihn zu stoppen. Dabei gerät Ryan unversehens zwischen die krummen Geschäfte anderer.

Ryan Black Hawk steht für viele junge Indianer in Nordamerika, die in Reservaten aufwachsen und dort leben. Die Autorin, Brita Rose Billert, kennt ähnliche Schicksale durch ihre Reisen nach Pine Ridge und durch Kontakte vor Ort.
Die Geschichte des Protagonisten Ryan Black Hawk, die sie in der „Indian Cowboy“ Reihe erzählt, fühlt sich darum sehr authentisch an. Einfühlsam zeigt sie die Zerrissenheit, die aus einem Leben in zwei widersprüchlichen Kulturen entsteht.
Gleich zu Beginn des Romans gibt es einen aufschlussreichen Dialog zwischen Ryan und Haywood. Auf Haywoods Frage, ob Ryan sich als Krieger des 21.Jahrhunderts sehe, bejaht er das, spricht aber auch sein Problem an: „Ich habe zwei Gesichter.“ Diese innere Spaltung ist für ihn die einzige Möglichkeit zu überleben. Haywoods Antwort, Ryan sei ihm nicht geheuer, zeigt das Dilemma beider Seiten.

Eindrucksvoll herausgearbeitet ist auch die spirituelle Ebene, die Ryans indianische Erziehung und sein Sicht der Welt kennzeichnet. Um zu heilen, zieht er das Zelt des Medizinmannes dem modernen Hospital vor. Indianische Heilung geschieht ganzheitlich. Auch lässt sich Ryan von einem Traum leiten, der ihn zurück zu seiner Familie ruft. Dort wird er gebraucht, die Familie hält zusammen. Aber es wird auch deutlich, dass er um Anerkennung in beiden Welten kämpfen muss. Nicht nur im Einflussbereich der Weißen gibt es Neid und Missgunst. Einige Stammesmitglieder halten ihn sogar für einen „apple“, außen rot und innen weiß.

Sehr gut gefallen haben mir die ruhigen Einschübe, in denen die Autorin ihre Leser mit in die Natur nimmt. Es gelingt ihr, die Landschaft und die Stimmung der Prairie zu übermittelt, als wäre man dort. Das sind die Momente, wenn Ryan ins Reservat zurückkehrt. Dort herrscht auch für Leser fühlbar die „Indian Time“, eine andere Atmosphäre.

Brita Rose Billert hat mit diesem dritten Band, der auf sechs Bände angelegten Indian Cowboy-Reihe, erneut einen spannenden und temporeich gestalteten Roman geschrieben, den ich gerne weiter empfehle.

 

 

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