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PANkfurt oder Das bunte Leben in den frühen 80ern

 

Frank Neumann kommt aus der hessischen Provinz nach Frankfurt. Er studiert Physik und zieht in die WG von Stony und Michael ein, die per Zeitungsanzeige einen „solidarischen“ Mitbewohner suchen. Wie bereits in den Jahrzehnten zuvor ist auch in den 80ern die Musik extrem wichtig. Musikvorlieben scheinen für manchen alles über einen Menschen auszusagen. So entscheidet auch in Franks Fall der Musikgeschmack über das Sein oder Nichtsein in der WG. Endlich ist er an seinem ersehnten Ziel, nämlich alternativ und „in“ zu sein und dem spießigen Lebensstil der Elterngeneration den Rücken gekehrt zu haben.

Es ist das Jahr 1981. Bekannte und unbekannte Bands treten in der legendären „Batschkapp“ auf und gelegentlich endet der Musikgenuss für Musiker und Fans in einer handfesten Schlägerei.

Auch die Republik ist in Aufruhr. Eines der wichtigsten wirtschaftspolitischen Themen ist die umstrittene Startbahn West. Wenige Monate zuvor war der hessische Wirtschaftsminister Heinz-Herbert Karry, der sich für den Ausbau des Flughafens stark gemacht hatte, von den „Revolutionären Zellen“ in seinem Haus erschossen worden. Im sogenannten „Hüttendorf“ an der Startbahn West hat sich der Widerstand formiert. Es gibt regelmäßig gewaltsame Zusammenstöße zwischen den kämpferischen Blockierern und der Polizei. Kripo und Verfassungsschutz laufen auf Hochtouren. Sie haben ihre Spitzel überall, auch im Umfeld der Uni.

Mehr oder weniger zufällig gerät Frank in Kontakt mit den Startbahn-Gegner und wird, ehe er sich versieht, zum Teil einer kryptischer Telefonkette. Damit rückt er in den Augen der Polizei bereits in die unmittelbare Nähe der RAF auf. Blauäugig und hormongesteuert, ist Frank jedoch eher an erotischen Abenteuern als an politischen Aktionen interessiert. Trotzdem gerät er schnell ins Zentrum verdeckter Ermittlungen. Als mutmaßlicher RAF-Informant wird er von Hauptkommissar Berger und seinen Helfern bespitzelt und observiert. Als er sich ausgerechnet in Bergers Tochter Monika verliebt und der Hauptkommissar Wind von der Affäre bekommt, will er Frank unbedingt im Knast sehen. Nach einem erotischen Abstecher in die westberliner Hausbesetzer-Szene wird es für Frank plötzlich sehr eng ....

Der Autor, Robert Maier, zieht seine Leser bereits auf den ersten Seiten magisch in seine Geschichte hinein und lässt sie in den Folgekapiteln tief in das Lebensgefühl der frühen 80er eintauchen. An der Seite von Frank, Stony und Michael dürfen sie teils skurrile Aktionen „persönlicher Freiheit“ erleben, die hochgradig amüsant erzahlt werden. So wird z.B. aus dem spontanen Streichen eines WG-Zimmers ein ganz spezieller „Akt“ der Anarchie. (S. 14) .
Auch das ominöse Auftauchen des „Maddin aus der Pfalz“, der sich offenbar bestens in der WG auskennt und erst einmal bleibt, obwohl ihn keiner der drei WG-Bewohner wirklich kennt, lässt die Leser „nachhaltig“ schmunzeln. (S. 99).

Robert Maier erzählt spannend und authentisch vom Abenteuer in den 70er und 80er Jahren jung zu sein. Er erinnert uns an den mutigem Widerspruchsgeist und die freie Liebe, aber auch an die Kehrseite des historischen Aufbruchs, die Radikalisierung politischer Gruppierungen bis hin zu Terror, Entführung und Mord und die daraus resultierenden fatalen Folgen. Kundigen Lesern wird bei der Lektüre nicht von ungefähr Heinrich Bölls „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ einfallen. (Kiepenheuer & Witsch, 1974)

Atmosphärisch dicht, humorvoll und treffsicher formuliert, erweckt der Autor in seinem Erstlingsroman ein wichtiges Stück Zeitgeschichte zu prallem Leben. Der Roman dürfte in großen Teilen autobiografische Züge tragen (siehe Nachwort). Wie sein Protagonist Frank hat auch Robert Maier, Jahrgang 1961, Physik studiert. In Frankfurt.

Robert Maiers Roman „PANkfurt“ ist ein Geschenk. Zum einen für all die, die sich erinnern wollen und sich dieser Zeit verbunden fühlen. Zum anderen für all jene, die heute jung sind und die sich neugierig fragen, wie sich das Leben wohl angefühlt hat, als ihre Eltern jung waren.

Ich habe dieses Buch von der ersten bis zur letzten Zeile genossen. 


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