A v a l o n p f a d
 A v a l o n p f a d                                          

Der leise Atem der Zukunft

 

Ulrich Grober hat sich auf Wanderungen durch Deutschland begeben, in sechs Etappen, verteilt auf mehrere Jahre. Er suchte dabei nicht nur Erholung in der Natur, sondern fahndete vor allem nach gelebten Alternativen und Lösungsansätzen für die drängenden ökologischen und gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit.

Seine erste Wanderung beginnt im Schwarzwald, auf den Spuren des Waldes und eines bekannten Märchens. „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff entlarvt auch heute noch die allgegenwärtige „Anatomie der Gier“. Die zweite Etappe führt in die Autostadt Wolfsburg, wo sich ausgerechnet der Wert von Entschleunigung zeigt. Die dritte Wanderung ist eine Zeitreise zu den Quellen. Sie führt von der Mystik des Mittelalters bis zur Antike und befasst sich mit der Gelassenheit, die mit „Lassen“ zu tun hat, mit Stille und mit Grundvertrauen. Dann wandert Ulrich Grober ins Ruhrgebiet, in die Epoche des Bergbaus und der Halden. Eine Inspiration zur Erkenntnis über den Wert der Kreisläufe. Die fünfte Etappe beginnt mit der Betrachtung einer Manganknolle aus der Tiefe des Pazifiks und führt zur Wiederentdeckung der „commons“ oder dem Wert der Gemeingüter. Zur sechsten und letzten Etappe bricht der Autor im Frühjahr 2016 auf. Er wandert vom westfälischen Münster über den Thüriger Wald bis in den Breisgau, zu den „Pionieren des Wandels“ (-) „im Hier und Heute“.

Ist also eine andere Welt möglich?
Ja, zeigt uns Ulrich Grober. Sie ist bereits im Entstehen! "An stillen Tagen höre man sie atmen", so wie es die indische Schriftstellerin Arundhati Roy einst formuliert hat. Ulrich Grober führt uns die Beweise dafür in seinem Reisebericht vor Augen. Die Arbeit an einer besseren, nachhaltigen Zukunft hat überall in Deutschland schon begonnen. Überall auf der Welt. –
Allerdings, diese andere, lebenswerte Zukunft können wir nur erreichen, wenn wir nicht mehr einem ungebremsten Wachstumsideal den Vorrang geben, sondern der Nachhaltigkeit, dem Wohl der Natur und dem Wohl der nachfolgenden Generationen. Global denken, lokal handeln. Das Motto der Agenda 21 gilt nach wie vor.

Seine ursprüngliche Arbeitshypothese des „weniger ist mehr“ bringt ihn zur zentralen Lebens- und Überlebens-Frage, an der sich alles messen lässt: „In welchen Momenten fühlst Du Dich lebendig?“

Naturverbunden, philosophisch, poetisch, wertschätzend und ganzheitlich lässt Ulrich Grober uns die Wanderungen mit seinen Augen erleben. Er stellt Zusammenhänge her, informiert und macht Netze sichtbar, die überall geknüpft werden. Nachhaltigkeit ist sein Leitmotiv, ebenso, wie Naturverbundenheit und Ethik. Ein Reisebericht, der zugleich auch Zustandsbericht ist; der die fatalen Fehler der Vergangenheit aufzeigt, aber auch zu den gegenwärtigen Hoffnungsträgern führt, zu Menschen und ihren Projekten, die in eine „nachhaltige“ Zukunft weisen.

Ulrich Grobers Buch wirkt ebenfalls nachhaltig. Das merkt der Leser nicht gleich. Zuerst führt die Verknüpfung der vielen aktuellen und vergangenen Schlagworte zu diesem großen Themenkomplex eher in eine Art Verwirrung. Die Hinweise auf den Bericht des Club of Rome aus dem Jahr 1973 oder auf das Buch „Selbstbegrenzung“ von Ivan Illich, ebenfalls aus den 70ern, verknüpft mit aktuellen Publikationen und den Gedankennetzen und Sinneseindrücken des Wanderers Grober, setzen Erinnerungen und Bilder im Kopf des Lesers in Gang. Dann klärt sich der Blick. Das Spiel mit der Sprache, „Modewörter als Meilensteine“ sind durchaus brauchbare „Wegweiser“. Ulrich Grober lässt seine Leser dementsprechend nachdenklich, aber hoffnungvoll, zurück.

"Dies ist ein Reisebericht.“, sagt Ulrich Grober seinen Lesern zu Beginn des Buches. Als solcher lässt es sich auch lesen. Leicht und informativ. Sein Buch gibt viele Anregungen und befriedigt die Seele. Ein außergewöhnliches Buch. Ich bin dem Autor mit Gewinn auf seinen Wanderwegen gefolgt.


(c) Margit Seibel, 2016

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© avalonpfad.de