A v a l o n p f a d
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Eine literarische Liebeserklärung an China

 

Wulf Nolls Reisenovelle „Schöne Wolken treffen“ ist ein Lesevergnügen der besonderen Art.
Robert Marian, der Protagonist, ein in die Jahre gekommener Dozent für Deutsche Sprache und Literatur, der sich selber als Flaneur, fürwitziger Weltenbummler und Beobachter bezeichnet, kommt als Gastdozent an die Universität Ningbo. Mit ihm kommt auch ein junger österreichischer Kollege an, Anatol Toller.
Beiden werden zur besseren Orientierung von der Universität sogleich einige junge Studentinnen zur Seite gestellt. Sie alle tragen ins Deutsche übersetzt poetisch-klangvolle Namen, wie z.B. „Männer übertreffen“, „Wirbelwind von unten nach oben“,„Angeborene Eleganz“ oder „Schöne Wolken“. Die 19-jährige WenWen, Trägerin des Namens „Schöne Wolken“, hat es dem Flaneur besonders angetan.
Durch sie lernt er das Lebensgefühl der chinesischen Jugend kennen, eine Mischung aus China und Amerika, „Chimerika“ genannt. Denn China ist wahrhaftig das neue „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, der Superlative, hinter dem Europa hoffnungslos zurück fällt. Das moderne China und die jungen Chinesinnen und Chinesen verstehen es aber auch ihre Kultur, Kunst und Tradition mit dem modernen Leben zu verbinden, was dem romantisch verklärten Blick eines Robert Marian sehr entgegen kommt.
Der Leser lernt auf dieser Reise außer Ningbo u.a. auch Shanghai, Pudong, Huanghzou, Beijing und Xian kennen und erfährt immer Spektakuläres. An der Seite von „Schöne Wolken“ und Robert Marian erhält er Einblick ins „Innere“ Chinas, in die (WenWens) Familie und in den Alltag der Menschen, die dem Touristen normalerweise verborgen bleiben.
Immer liegt auch, zwischen den Zeilen oder ganz offen, eine erotische Spannung in der Luft. Robert Marian lässt sich „führen“ und „verführen“. Wie könnte es auch anders sein zwischen den „östlichen Damen“ und den „westlichen Herren“, vor allem, bei der schwärmerischen Verehrung des Protagonisten für die junge chinesische Weiblichkeit.

Die Wahl der Novelle als literarische Erzählform ist ein gelungener Kunstgriff des Autors, enthält dieser außergewöhnliche Einblick doch alle charakteristischen Kennzeichen. Der Erzählstil des „romantischen Poeten“ Robert Marian alias Wulf Noll ist geprägt von einer schwärmerisch-heiteren, selbstironischen Distanz und erinnert (sicher nicht zufällig) gelegentlich an Heinrich Heines „Reisebilder“.

Wulf Noll ist kein Unbekannter im Genre „Reiseliteratur“. Er legte bereits Reiseromane aus Japan und Indien erfolgreich vor. Für dieses Buch lehrte und recherchierte er 2 Jahre lang an der Universität Ningbo/China.

Insgesamt ein gelungenes und außergewöhnliches Reisebuch, das den Blick des interessierten Lesers auf China vollkommen verändert. Der kenntnisreiche und wohltuend (wohlwollend) positive Blick des Autors öffnet auch seinen Lesern Türen. Eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die Informationen über das Land und seine Menschen verbunden mit literarischem Lesevergnügen zu schätzen wissen. (Margit Seibel)

(siehe auch: Lovelybooks "Flanieren in Chimerika" und amazon "Ein Flaneur in China")


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