A v a l o n p f a d
 A v a l o n p f a d                                          

Tb., 246 Seiten, ISBN-13: 978-1798540084, Independently published 

Kein Paradies ohne Schatten

 

Luise ist Fotografin und Jounalistin und arbeitet für einen Chef, mit dem sie bis vor Kurzen noch eine Affaire hatte. Jetzt ist sie plötzlich für ihn Vergangenheit. Er hat sie abserviert! Um auch einen räumlichen Abstand zu schaffen, schickt er sie ans Ende der Welt, nach Mikronesien, ins Inselparadies von Palau.

Dort wartet bereits ein Kollege auf sie, Beppo, mit dem sie eine Fotoreportage über die Insel machen soll. In diesem landschaftlichen Paradies trifft sie auf weitere Personen, von denen jede ihre eigene Hölle zu haben scheint. Am meisten davon betroffen ist Fleischmann, dessen Vorname Luise bis zum Schluss nicht kennt, der sie jedoch von Anfang an gleichermaßen anzieht wie abstößt.

Luise, schon von Berufs wegen neugierig, kann es nicht lassen das Geheimnis auf eigene Faust ergründen zu wollen. Nach und nach kommt sie einer tragischen Geschichte auf die Spur, deren Ursprung bis zum ersten Weltkrieg zurück reicht. Mit der Aufkärung begibt sie sich in Lebensgefahr.

 

 

Um es vorweg zu sagen:
Ich habe dieses Buch innerhalb eines Tages verschlungen.

Abgesehen von der spannenden, gut erzählten Story und dem gelungenen Finale, hat mir besonders gefallen, wie die Gegensätze herausgearbeitet wurden. Ein unglaublich buntes und idyllisches Urlaubsparadies auf der einen Seite, menschliche Katastrophen auf der anderen. Alle, mit denen Luise zusammentrifft, sind auf die eine oder andere Weise „Versehrte“, wie die totkranke Amy so richtig vermutet. Und so geht es auch ganz folgerichtig um Schuld und Sühne.
 

Auch die Gedanken der Protagonistin, die sich mit ihrer enttäuschten Liebe herum schlägt, und die Fragen, die sie stellt, sind eher tiefgründig. Sie stehen in Opposition zu dem, was die meisten Menschen mit einer exotischen Kulisse, mit Sonne, Sand und Meer assoziieren. Dadurch wirkt die Hauptfigur sehr authentisch.

 

Die Spannung ist sehr gut aufgebaut (deshalb konnte ich nicht aufhören zu lesen). Die vielen Informationen über Palau, über das Tauchen, über die Geschichte der Inseln, transportiert die Autorin unaufdringlich und weckt damit gekonnt das Interesse. Hinzu kommen die biografischen Details über das Leben des Malers Max Pechstein und seiner Frau, mit der Veronika Aydin die Leser vertraut macht. Sie machen neugierig auf diesen Maler aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, auf sein Leben und auf seine Bilder.

 

Nicht zuletzt hat mich auch die Entwicklung der Protagonistin überzeugt. Mit welch kleinen Sorgen sie doch nach Palau kommt, angesichts der Tragödie, die sich dort abgespielt hat. Zuletzt hat sich das, was sie zu Beginn denkt, bewahrheitet: dass nämlich die Sorgen der anderen, die Lösung ihrer eigenen Sorgen sind - oder doch zumindest dazu beitragen.

 

Veronika Aydin hat ein spannendes, lesenswertes Buch geschrieben. Ein Buch, das auf den ersten Blick, wie eine leichte Urlaubslektüre daher kommt, sich dann aber als weit tiefgründiger entpuppt. Als Leser bleibt man ein wenig wissender über die Welt und über einen bisher (mir zumindest) unbekannte Maler zurück, mit Fragen, denen man auch nach der Lektüre noch nachgehen mag. 

 

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